BESUCH DER PFARREI ST. IRENÄUS IN CENTOCELLE

BESUCH DER PFARREI ST. IRENÄUS IN CENTOCELLE

Hl. Johannes Paul II.

Rom, 9. März 1986 *

Vor dreizehn Jahren entstand in der Pfarrei St. Irenäus die erste neokatechumenale Gemeinschaft. Seitdem hat sich der Weg entwickelt, indem eine immer größere Anzahl von Personen dazugekommen ist, sodass es heute fünf Gemeinschaften in der Pfarrei gibt. Für einige der Gläubigen ist schon der Zeitpunkt der „Redditio“, des öffentlichen Glaubensbekenntnisses gekommen, nachdem sie für einige Jahre als Missionare in ihrem Stadtviertel unterwegs gewesen sind. Der lebendigen Wirklichkeit der neokatechumenalen Gemeinschaften begegnete Johannes Paul II. in der Pfarrkirche. Es war eine lange und festliche Begegnung, während derer aber auch Augenblicke tiefer Ergriffenheit nicht gefehlt haben, besonders dann, als zwei junge Männer das „Credo“ proklamierten, indem sie den Weg ihrer Umkehr und der Entdeckung der Liebe Gottes erwähnten.
Der Papst wurde mit dem Lied „Maria, du hast an das Wort des Herrn geglaubt“ empfangen und hielt sich dann lange damit auf, die Anwesenden, insbesondere aber die zahlreichen Kinder, zu begrüßen.
Nach einer kurzen Vorstellung durch den Pfarrer richtete der Katechist Edoardo Magri achtungsvolle Grußworte an den Papst, im Rahmen derer er die von den Gemeinschaften entfalteten Aktivitäten und das damit Erreichte darstellte. Er erläuterte die Bedeutung der Phase der „Traditio“, während derer die Brüder von Haus zu Haus gesandt werden, um das Evangelium zu verkünden, sowie der „Redditio“, die ihren Höhepunkt mit der Übergabe eines Palmzweiges am Palmsonntag hat, ein Zeichen der Berufung des Christen, Zeugnis über seinen Glauben bis zum Martyrium abzulegen. „Nach der ‚Redditio‘ – sagte der Katechist Edoardo Magri – bitten wir unsere Brüder, sich dem Pfarrer zur Verfügung zu stellen, gerade weil der Neokatechumenale Weg sich nicht als Bewegung versteht, die ein eigenes Ziel hat, sondern sich als Dienst für die Kirche sieht.“
An die Mitglieder der neokatechumenalen Gemeinschaften richtete Papst Johannes Paul II. folgende Worte:

Also, meine Lieben, wenn ich dieses Lied höre, dieses Marienlied: „Maria, du hast an das Wort des Herrn geglaubt“, dann ist mir sofort bewusst, dass eine neokatechumenale Gruppe sich trifft. Überall, überall höre ich dieses Lied, ich höre es in verschiedenen Ländern und Kontinenten, wie ich auch diese Lieder kürzlich in Indien gehört habe, denselben Ton, dieselbe Melodie, dieselben Worte: Diese Anrufung Mariens, die geglaubt hat, und so die erste Glaubende wurde, wir können sie die Koryphäe aller Glaubenden nennen. Sie hat geglaubt im vollsten und fruchtbarsten Sinn. „Maria, du hast an das Wort des Herrn geglaubt“: So hat sie ihre Verwandte Elisabeth gesegnet, ihre Cousine hat Maria mit diesen Worten gesegnet. Und mit diesen Worten preisen wir sie, preist sie die Kirche, die gesamte Kirche und besonders ihr, die Neokatechumenen.

Für euch ist der Weg des Glaubens nämlich wesentlich: Weg des Glaubens, jener Weg, der seinen sakramentalen Anfang in der Taufe hat, jener Weg, der das ganze Menschenleben eines jeden von uns hindurch andauert. Wie ihr es schon, vor allem in der ersten Ansprache, richtig gesagt habt, hat dieser Weg auch seinen Rhythmus. Dieser Rhythmus drückt sich mit den beiden Worten „Traditio“ und „Redditio“ aus. Der Glaube muss „tradiert“, übergeben und empfangen, angenommen werden, und dies macht man mit der Taufe und später in der christlichen Erziehung. Dies geschieht durch die verschiedenen Personen, die verschiedenen Boten Gottes, sowie es für Maria durch den Engelsboten Gabriel geschah. Es geschah durch Jesus Christus, der der erste und absolute Bote Gottes für die ganze Menschheit ist. Es geschah durch die Apostel und es geschieht durch die Kirche.

Dieser erste Rhythmus, diese erste Etappe ist es, die „Traditio“ zu empfangen, es ist Tradition: Der Glaube wird „tradiert“ und wird empfangen. Das muss man dann mit einer anderen Etappe fortsetzen und weiterführen: diese ist die „Redditio“. Der einmal empfangene Glaube muss weitergegeben werden, weil er ein Glück ist, ein Schatz, ein von Gott angebotene kostenloser Schatz, und nicht nur dazu, um ihn in uns zu verstecken und ihn in einem intimistischen, privaten Sinne zu leben, sondern er ist uns gegeben, er ist uns „tradiert“, um den anderen weitergegeben zu werden. Man muss aber eine große Begeisterung, eine große Glaubensüberzeugung haben, um ihn zu den anderen zu tragen, um ihn den anderen zu übergeben. Und so werden die Neokatechumenen zu Katechisten-Itineranten, sie bringen das Evangelium Christi, sie bringen das Glaubenszeugnis; nicht bloß heilige Worte in einem abstrakten Sinn, sondern bezeugte Worte, Wort Gottes, vom Glauben eines jeden bezeugt. Das ist eine Kraft.

Also, ihr Lieben, ich wünsche euch, dass dieser Doppelrhythmus des Glaubens: Traditio und Redditio immer den Rhythmus eures Lebens darstelle, wenn ihr am Weg seid, oder auch wenn ihr nach der Beendigung dieses Weges zurückkommt; aber ihr kommt zurück als besonders reife Christen, in die Gemeinschaft der Kirche, in die Gemeinschaft der Pfarrei.

Ich sehe euch immer sehr gerne, die Treffen mit euch sind immer sehr fröhlich, und zwar aus zwei Gründen: Ein Grund ist euer Gesang, er ist sehr kraftvoll, er klingt, er klingt; der andere Grund sind die Kinder, die Kleinen, die – sagen wir so – ihren Neokatechumenalen Weg machen, Gott sei Dank! Und sie bringen uns viel Freude, es ist immer für uns alle und für mich eine große Freude, wenn ich sie sehe. Ich möchte euch alle mit diesem Segen umarmen und euch auch ein frohes Osterfest auf eurem Neokatechumenalen Weg wünschen. Es segne euch der allmächtige Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Frohe Ostern!

(*) Vgl. „L’Osservatore Romano“, 10. – 11. März 1986, mit Ergänzungen aus der Tonbandaufnahme (eigene Übersetzung aus dem Italienischen).